Ammertal-Schönbuchgruppe unterstützt das Kiebitzprojekt

Kiebitz Nahaufnahme

Erster Brutversuch des stark gefährdeten Vogels seit 2004. Feldwege wieder frei gegeben.

Erstmals seit 2004 brütete am Riedgraben wieder ein Kiebitz-Paar. Dies ist ein erster Teilerfolg des Kooperationsprojekts der „Ammertal-Schönbuch-Gruppe mit der Initiative Artenvielfalt Neckartal“, die sich die Wiederansiedlung des vom Aussterben bedrohten Vogels zum Ziel gesetzt haben. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Naturschutzfond Baden-Württemberg und der O.M.H. Schmidt-Felsche Stiftung. Die Stadt Rottenburg hat ein Grundstück in das Projekt eingebracht. Mehrere Landwirte beteiligen sich an der Umsetzung der Maßnahmen.

Die Brutsaison im April dieses Jahres begann zunächst vielversprechend. Nach Fertigstellung der Biotopgestaltungsmaßnahmen und Zäunung des sensiblen Bereichs siedelte sich tatsächlich ein Kiebitz-Paar im benachbarten Acker der angelegten Flachgewässer an. Leider verließ das Männchen nach einigen Tagen aus unbekannten Gründen das bereits brütende Weibchen. Alleine hatte dieses keine Chance, genügend Nahrung zu finden und gleichzeitig die Angriffe natürlicher Feinde auf das Gelege abzuwehren. So musste die Brut schließlich erfolglos abgebrochen werden.

Trotzdem ist das Projekt auf gutem Weg. Die Brutansiedlung zeigt, dass die am Riedgraben angelegten Biotopstrukturen für Kiebitze attraktiv sind. Das Beispiel zeigt aber auch, dass Lebensräume hochgradig gefährdeter Arten zwar schnell zerstört sind, ihre Wiederherstellung dagegen jahrelange Naturschutzarbeit und einen langen Atem erfordert. Die Maßnahmen am Riedgraben sollen konsequent fortgeführt werden. Notwendig ist die Pflege der Nahrungsgewässer und die Beseitigung einiger größerer Gehölze, deren Nähe vom Kiebitz strikt gemieden wird. Die Artenschützer bauen auch auf die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Landwirt Kilian Schmid, der große Flächen "kiebitzfreundlich" bewirtschaftet.

Libelle Südlicher Blaupfeil

Wichtig ist auch das große Verständnis der örtlichen Bevölkerung und der Landwirte für die befristete Sperrung der beiden Wege. Weil Kiebitze Bodenbrüter und zwischen März und Juli besonders störungsempfindlich sind, ist diese Maßnahme eine Grundvoraussetzung für den Wiederansiedlungserfolg. Nach Ablauf der diesjährigen Brutsaison sind die Feldwege am Riedgraben jetzt wieder für Spaziergänger frei gegeben. Bleibt zu hoffen, dass sich im kommenden Jahr der für den Art-Erhalt so wichtige Kiebitz-Nachwuchs einstellt. In einem ähnlichen Artenschutzprojekt bei Gärtringen-Rohrau brüteten Kiebitze in diesem Jahr schon zum zweiten Mal erfolgreich. Die dort flügge gewordenen Jungvögel müssen sich in den nächsten Jahren eigene Brutgebiete suchen. Weil es im Raum derzeit kaum noch geeignete Gebiete gibt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich einige dieser Kiebitze im Neckartal niederlassen.

Profitiert haben von den Maßnahmen im Projektgebiet am Riedgraben auch weitere landesweit zurückgehende und gefährdete Brutvögel wie Grauammer, Rebhuhn, Feldlerche, Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger und Rohrammer. Auch erste gefährdete Libellenarten haben sich mit dem Südlichen Blaupfeil und der kleinen Pechlibelle bereits an den Tümpeln eingestellt.

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